Scheine im Handwerk: Was sie kosten, wie lange sie gelten – und wer zahlt

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Ein Staplerschein kostet bei der Handwerkskammer Cottbus 470 €, ein Kombikurs für Minibagger und Radlader 799 €, ein Prüfungstag für den Schweißerpass bei der Handwerkskammer Potsdam 390 €. Im Netz findest du denselben „Staplerschein“ auch für 99 €. Dieser Unterschied ist kein Schnäppchen – er hat einen Grund, und den solltest du kennen, bevor du zahlst.

Schweißer bei der Arbeit an einem Werkstück
Alle Preise auf dieser Seite stammen von benannten Anbietern und wurden am 23. September 2026 geprüft. Geschätzte Beträge stehen hier keine.

Welche Scheine brauchst du im Baunebengewerbe?

Die vier häufigsten sind Staplerschein, Bagger- und Radladerqualifizierung, Schweißerpass und SCC-Zertifikat. Dazu kommen je nach Einsatz Kranschein und arbeitsmedizinische Untersuchungen. Die Preise reichen von rund 140 € für die SCC-Prüfung bis über 1.000 € für eine vollständige Erdbaumaschinenqualifizierung.

NachweisGeprüfter PreisDauerGültigkeit
Staplerschein470 € (HWK Cottbus)24 UStd, 3–4 Tageunbefristet, jährliche Unterweisung
Minibagger + Radlader799 € (HWK Cottbus)40 UStd, 5 Tageunbefristet, Beauftragung schriftlich
Schweißerprüfung390 € je Prüfungstag (HWK Potsdam)nach PrüfumfangStahl 3 Jahre, Aluminium 2 Jahre
SCC-Prüfung Dok. 018135–149 € (mehrere Prüfstellen)meist 1 Tag5 Jahre (neu), Altzertifikate enden 31.10.2026
Kranscheinkeine regionale Preisangabe veröffentlichtje nach Krantypunbefristet, Beauftragung schriftlich
Preise am 23.09.2026 auf den Seiten der genannten Anbieter geprüft. Bei der Schweißerprüfung kommen 28 € Bearbeitungsgebühr je Prüfbescheinigung hinzu. Für den Kranschein nennt in der Region kein Anbieter öffentlich einen Preis – dort hilft nur der Anruf.

Was kostet der Erdbaumaschinenführerschein?

Ein Kombikurs für Minibagger und Radlader kostet bei der Handwerkskammer Cottbus 799 € und dauert 40 Unterrichtsstunden über fünf Tage, Prüfung inklusive. Ein überregionaler Anbieter verlangt für einen fünftägigen Basiskurs 1.087 € brutto. Angebote ab 499 € für „einen Tag“ gibt es ebenfalls – sie erfüllen aber nicht denselben Zweck.

Der Grund für die Spanne steht im DGUV Grundsatz 301-005, der seit Januar 2022 die Qualifizierung von Baggern- und Radladerfahrern regelt. Er schreibt keine feste Dauer vor, sondern koppelt sie an die Vorkenntnisse. Im Wortlaut: für den theoretischen Teil „ca. 6–40 Lehreinheiten“ und für den praktischen Teil „ca. 10–50 Lehreinheiten“ – und zwar je Maschinenkategorie, also für Bagger und Lader getrennt.

Vorkenntnisse hat laut Grundsatz, wer „mindestens ein Jahr Erfahrung“ mit der Maschine hat. Für jemanden mit einem Jahr Baggerpraxis kann ein kurzer Kurs also regelkonform sein. Für einen Anfänger geht die Rechnung nicht auf – 10 bis 50 Lehreinheiten Praxis lassen sich nicht an einem Tag unterbringen.

Baumaschinenschein oder Erdbaumaschinenführerschein – was ist der Unterschied?

Keiner von beiden ist ein Führerschein. Es gibt für Baumaschinen keine staatliche Fahrerlaubnis. Was es gibt, ist ein Qualifizierungsnachweis plus eine schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. „Baumaschinenschein“, „Baggerschein“ und „Erdbaumaschinenführerschein“ sind umgangssprachliche Namen für dasselbe Papier.

Der DGUV Grundsatz 301-005 nennt fünf Bedingungen, bevor dich jemand selbstständig auf einen Bagger oder Lader setzen darf: mindestens 18 Jahre alt, körperlich und geistig geeignet, im Führen der Maschine qualifiziert und unterwiesen, die fachliche Qualifikation nachgewiesen – und von dir muss zu erwarten sein, dass du die Aufgabe zuverlässig erfüllst. „Die Beauftragung sollte schriftlich erfolgen.“

Wer den Zettel hat, aber nicht beauftragt ist, darf trotzdem nicht fahren. Umgekehrt entscheidet dein Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, welche Qualifizierung er für ausreichend hält. Deshalb lohnt es sich, vor einem teuren Kurs zu fragen, was der künftige Betrieb tatsächlich anerkennt.

Wenn du auf Nummer sicher gehen willst: Prüfungen an einer von ZUMBau zugelassenen Prüfungsstätte werden von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft als Kompetenznachweis anerkannt. ZUMBau ist eine gemeinsame Einrichtung der Bauverbände und der BG BAU; bundesweit gibt es Prüfungsstätten für 14 Maschinenkategorien. Ein Zertifikat von dort wird dir niemand aberkennen.

Facharbeiter an einer Maschine in einem Industriebetrieb

Was kostet der Schweißerpass?

Die Handwerkskammer Potsdam berechnet 390 € je Prüfungstag plus 28 € Bearbeitungsgebühr für die Prüfbescheinigung. Wie viele Prüfungstage nötig sind, hängt davon ab, wie viele Verfahren, Werkstoffe und Positionen du abdecken willst – jede Kombination ist eine eigene Prüfung.

Das ist der Punkt, an dem Preisvergleiche im Internet scheitern: „Der Schweißerpass“ existiert nicht. Geprüft wird je Prozess (E-Hand, MAG, WIG, Gas), je Werkstoffgruppe, je Nahtart (Kehlnaht oder Stumpfnaht) und je Position. Ein Pass über eine Kehlnaht in einer Position ist deutlich günstiger als einer über mehrere Verfahren.

In der Region prüfen unter anderem die Handwerkskammer Cottbus (Altmarkt 17) und die SLV Berlin-Brandenburg. Beide nennen online keine Preise. Die Handwerkskammer Cottbus bietet ein gebührenfreies Vorschweißen an – damit lässt sich vorab einschätzen, ob es für die Prüfung reicht oder ob vorher eine Fertigkeitsschulung sinnvoll ist. Das ist bares Geld wert, wenn man eine Prüfung sonst zweimal zahlt.

Wie lange ist ein Schweißerpass gültig?

Bei Stahl drei Jahre nach DIN EN ISO 9606-1, bei Aluminium zwei Jahre nach DIN EN ISO 9606-2. Entscheidend ist aber eine zweite Frist: Die Schweißaufsicht muss alle sechs Monate bestätigen, dass du im Geltungsbereich der Prüfung geschweißt hast. Fehlt diese Bestätigung, erlischt der Pass vorher.

Diese Sechs-Monats-Bestätigung ist der häufigste Grund, warum ein Pass plötzlich nichts mehr wert ist. Sie steht auf der Rückseite der Prüfbescheinigung und wird von der Schweißaufsichtsperson im Betrieb abgezeichnet. Wer den Betrieb wechselt oder ein halbes Jahr nicht schweißt, sollte darauf achten.

Schweißerpass verlängern – geht das ohne neue Prüfung?

Ja, unter einer Bedingung: Wenn der Prüfstelle Prüfberichte über deine Fertigungsschweißungen vorliegen – etwa Durchstrahlungs-, Ultraschall- oder Bruchprüfungen aus der laufenden Überwachung –, kann die Gültigkeit um weitere zwei Jahre verlängert werden. Ohne solche Nachweise ist eine Wiederholungsprüfung fällig.

Praktisch heißt das: In Betrieben mit dokumentierter Schweißnahtprüfung ist die Verlängerung realistisch. Wer auf wechselnden Baustellen ohne solche Dokumentation arbeitet, wird in der Regel neu prüfen müssen.

Staplerschein, Kranschein und weitere Nachweise

Der Staplerschein kostet bei der Handwerkskammer Cottbus 470 € und umfasst 24 Unterrichtsstunden über drei bis vier Tage, Prüfung inklusive. Voraussetzung ist eine ärztliche Untersuchung zur Fahr- und Steuertätigkeit, die nicht älter als drei Jahre sein darf. Für den Kranschein veröffentlicht in der Region kein Anbieter einen Preis.

Mitarbeiter mit einem Hubwagen in einem Lager

Der DGUV Grundsatz 308-001 sieht für Flurförderzeuge eine Ausbildung von mindestens 20 bis 32 Lerneinheiten vor, davon rund 10 Theorie. Ein Kurs mit 24 Unterrichtsstunden liegt damit im vorgesehenen Rahmen. Ein „Staplerschein ab 99 €, ab 1 Tag“, wie ihn überregionale Anbieter bewerben, liegt darunter – rechne nach, bevor du buchst.

Der Staplerschein selbst läuft nicht ab. Was jährlich fällig wird, ist die Unterweisung durch den Arbeitgeber. Und die ärztliche Eignung muss in der Regel alle drei Jahre erneuert werden. Beides organisiert normalerweise der Betrieb.

Weitere Nachweise, die im Baunebengewerbe verlangt werden: die Höhentauglichkeitsprüfung für Arbeiten mit Absturzgefahr, der Bedienerausweis für Hubarbeitsbühnen und je nach Kunde das SCC-Zertifikat. In der Region bietet unter anderem der GBV Guben e. V. im Ausbildungszentrum Cottbus Lehrgänge an; Preise nennt er auf Anfrage.

Wer bezahlt die Scheine – du oder der Arbeitgeber?

Es gibt keine gesetzliche Pflicht, dass der Arbeitgeber zahlt. In der Praxis übernehmen viele Betriebe die Kosten und vereinbaren im Gegenzug eine Bindung: Wer vorher geht, zahlt anteilig zurück. Diese Rückzahlungsklauseln sind zulässig – aber nur unter engen Bedingungen, und die werden oft überschritten.

Das Bundesarbeitsgericht hat dafür Richtwerte entwickelt, die sich an der Dauer der Fortbildung orientieren:

Dauer der FortbildungZulässige Bindung höchstens
bis 1 Monat6 Monate
bis 2 Monate1 Jahr
3 bis 4 Monate2 Jahre
6 bis 12 Monate3 Jahre
über 2 Jahre5 Jahre
Richtwerte aus der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zu Rückzahlungsklauseln bei Fortbildungskosten.

Die erste Zeile ist für dich die wichtigste. Ein Staplerschein dauert drei bis vier Tage, eine Schweißerprüfung wenige Tage. Das fällt in die Kategorie „bis 1 Monat“ – zulässig wäre also eine Bindung von höchstens sechs Monaten. Und: Wird die zulässige Dauer überschritten, ist die gesamte Klausel unwirksam, nicht nur der überschießende Teil.

  • Die Vereinbarung muss vor Beginn der Fortbildung geschlossen werden.
  • Der Rückzahlungsbetrag muss sich monatlich anteilig verringern – eine Klausel, nach der du bis zum letzten Tag die volle Summe schuldest, ist unwirksam.
  • Zurückzahlen musst du nur, wenn du das Ende des Arbeitsverhältnisses zu vertreten hast. Bei betriebsbedingter Kündigung durch den Arbeitgeber entfällt die Pflicht.

Bei uns: Wir übernehmen je nach Qualifikation und Einsatz die Kosten für Schweißerpass, Staplerschein, Höhentauglichkeitsprüfung und die nötigen ärztlichen Untersuchungen. Was dabei im Einzelfall vereinbart wird, steht im Vertrag – frag danach, bevor du unterschreibst, und gleiche es mit der Tabelle oben ab. Das gilt bei uns wie bei jedem anderen Arbeitgeber.

„Vor 9 Jahren bin ich aus einer Anstellung bei einer anderen Zeitarbeitsfirma zu A.Hora GmbH in Cottbus gewechselt. Mit allen notwendigen Sachen zum Arbeitsschutz werde ich von A.Hora GmbH ausgestattet, außerdem werden die Kosten von Schweißprüfungen übernommen."

Mario Ulbricht, Schlosser und Schweißer, Cottbus · 2023

Welcher Schein lohnt sich für welchen Job?

Für Helfertätigkeiten auf der Baustelle bringt der Staplerschein am schnellsten etwas, weil er breit einsetzbar ist und wenig kostet. Für Metaller ist der Schweißerpass der Hebel in die höhere Entgeltgruppe. Die Erdbaumaschinenqualifizierung lohnt sich, wenn ein Betrieb dauerhaft Maschinen einsetzt – sie ist die teuerste und spezialisierteste.

Wenn du … bistlohnt sich zuerstweil
Helfer ohne AusbildungStaplerscheinbreit einsetzbar, 470 €, drei bis vier Tage
Schlosser oder MetallbauerSchweißerpassöffnet Stellen, die Prüfzeugnisse verlangen
im IndustrieeinsatzSCC-Zertifikatvon vielen Industriekunden zwingend verlangt
Bau- oder TiefbauhelferBagger/Radladerteuer, aber auf Baustellen mit Maschinenbedarf gefragt
auf Gerüsten oder DächernHöhentauglichkeitVoraussetzung für Arbeiten mit Absturzgefahr

Was dir ein Schein konkret bringt, hängt am Ende an der Eingruppierung. Maßgebend ist die Tätigkeit, die du tatsächlich ausübst – nicht das Papier allein. Wie die Entgeltgruppen zusammenhängen und was sie bedeuten, steht im Gehalts-Ratgeber.

Welcher Schein bringt dir am meisten?

Sag uns, was du machst und was du kannst. Wir sagen dir, welcher Nachweis in deinem Gewerk tatsächlich nachgefragt wird – und was wir davon übernehmen. Ohne dass du dich bewerben musst.

Simone Zerna, Geschäftsführerin bei A.Hora in Cottbus

Simone Zerna

Geschäftsführerin · Cottbus

0355 8629405
Runhild Arnold, Personaldisponentin bei A.Hora in Berlin

Runhild Arnold

Personaldisponentin · Berlin

030 81003084

Häufige Fragen zu Scheinen im Handwerk

Was kostet ein Baggerschein?

Bei der Handwerkskammer Cottbus kostet ein Kombikurs für Minibagger und Radlader 799 € bei 40 Unterrichtsstunden über fünf Tage, Prüfung inklusive (Stand 23.09.2026). Ein überregionaler Anbieter verlangt für einen fünftägigen Basiskurs 1.087 € brutto. Angebote ab 499 € für einen Tag gibt es auch – prüfe dort, wie viele Lehreinheiten Praxis enthalten sind.

Wie lange ist ein Schweißerpass gültig?

Bei Stahl drei Jahre nach DIN EN ISO 9606-1, bei Aluminium zwei Jahre nach DIN EN ISO 9606-2. Zusätzlich muss die Schweißaufsicht alle sechs Monate bestätigen, dass du im Geltungsbereich der Prüfung geschweißt hast. Fehlt diese Bestätigung, erlischt der Pass vorher.

Zahlt der Arbeitgeber den Schweißerpass?

Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht. Viele Betriebe übernehmen die Kosten und vereinbaren eine Bindung. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts darf diese Bindung bei einer Fortbildung von bis zu einem Monat höchstens sechs Monate betragen. Wird sie überschritten, ist die gesamte Rückzahlungsklausel unwirksam.

Was kostet der Staplerschein?

Bei der Handwerkskammer Cottbus 470 € für 24 Unterrichtsstunden über drei bis vier Tage, Prüfung inklusive (Stand 23.09.2026). Voraussetzung ist eine ärztliche Untersuchung zur Fahr- und Steuertätigkeit, die nicht älter als drei Jahre ist. Deutlich günstigere Angebote decken oft nicht die im DGUV Grundsatz 308-001 vorgesehenen 20 bis 32 Lerneinheiten ab.

Wie lange ist ein SCC-Zertifikat gültig?

Neue Zertifikate nach VAZ SCC 2021 gelten fünf Jahre. Wichtig: Alle Zertifikate nach den Dokumenten 16, 17 und 18 des alten SCC-2011-Regelwerks verlieren am 31. Oktober 2026 ihre Gültigkeit – unabhängig vom aufgedruckten Ablaufdatum. Angaben wie „10 Jahre gültig“ auf Anbieterseiten sind überholt.

Brauche ich für einen Bagger einen Führerschein?

Nein, eine staatliche Fahrerlaubnis für Baumaschinen gibt es nicht. Erforderlich sind eine Qualifizierung nach DGUV Grundsatz 301-005 und eine – möglichst schriftliche – Beauftragung durch den Arbeitgeber. Für das Fahren auf öffentlichen Straßen brauchst du allerdings die passende Fahrerlaubnisklasse.

Woher die Zahlen stammen

Jede Zahl auf dieser Seite lässt sich über die verlinkten Quellen nachschlagen. Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am . Zahlen und Fristen prüfen wir zu jedem Stichtag neu.

A.Hora GmbH

Personaldienstleister im Baunebengewerbe · Cottbus und Berlin

Seit 1998 vermitteln wir Fachkräfte und Helfer im Baunebengewerbe in Berlin, Brandenburg und der Lausitz. Tarifgebunden seit 2004. Die Preise in diesem Ratgeber stammen von den Anbietern selbst, die Regeln aus den DGUV-Grundsätzen – die Quellen stehen am Ende.

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